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Verführung auf schottisch

Was ist ein Single Malt Whisky?

Meine Empfehlung


Aktuelles Single Malt Tasting

Verführung auf schottisch

Meine erste Begegnung mit Single Malt Whisky hatte ich 1991 während meiner ersten Urlaubsreise durch Schottland. Bis dahin trank ich nur wenig Hochprozentiges. Und ich konnte mir erst recht nicht vorstellen, 60 Mark und mehr für einen Whisky auszugeben. Whisky, das war höchstens gut für Cocktails, und dann natürlich amerikanischer Bourbon und kein rauchiger Scotch! Das teuerste, was ich bis dahin probiert hatte, war Johnnie Walker Black Label. Gewiss kein schlechter Whisky, aber er riss mich nicht gerade vom Hocker.
Dann kam die Reise nach Schottland.


Bild oben:


Abendstimmung über dem Loch Broom bei Ullapool. Schottland bietet eine urwüchsige Landschaft mit dramatischen Licht- und Wettersituationen.

Bild unten:

Der Loch Broom am späten Nachmittag.


Bild oben:


Der Hafen von Oban an der Westküste Schottlands.

Bild unten:

Die Südküste der »Whisky-Insel« Islay. Das große weiße Gebäude am Ufer ist die Brennerei Lagavulin. Und immer in der Nähe: die schottische Luftwaffe!3


Bild unten:


Schottland hat viele Quellen, Bäche und Flüsse. Die Farbe der meisten Gewässer ist allerdings gewöhnungsbedürftig, da das Wasser vom Torfmoor geprägt ist und viel Huminsäure enthält. Auch das Leitungswasser ist vielerorts gelb bis bräunlich, aber als Trinkwasser von sehr guter Qualität.

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Die Schotten und die Amerikaner schreiben »Whisky«, die Iren schreiben »Whiskey«.

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Inzwischen habe ich gelernt, dass das falsch ist. Wenn man Single Malt wie einen Cognac anwärmt und schwenkt, riecht er stechend nach dem Alkohol, und die feineren Aromen gehen unter. Besser ist es, den Malt Whisky nach dem Einschenken zwei bis drei Minuten im Glas stehen zu lassen. Dann sammeln sich über der Flüssigkeit die leicht flüchtigen Aromen zu einer Wolke, die von der Tulpenform des »Tasting glass« am Verwehen gehindert wird. Wenn man das Glas dann vorsichtig unter die Nase führt, kann man diese Duftwolke wunderbar aufnehmen.
Es scheint aber Ausnahmen von dieser Regel zu geben. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass Edradour aus einem großen Cognacschwenker und gut angewärmt besser schmeckt als aus dem »tasting glass«. Auch Dalmore schmeckt mir handwarm besser.
Doch bei all dem gilt: möge es jeder selbst probieren und sich sein eigenes Urteil bilden!

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So mancher wird mir hier widersprechen und auf die berüchtigte »highland midge« verweisen. Ich bezeichne die »midges« aber nicht als Luftwaffe, sondern als Wegelagerer! Nicht der schottische Regen ist zum Fürchten, sondern sonnige, windstille Tage. Beklagen Sie sich in Schottland nie über den Wind – er hält Ihnen die Mücken vom Leib.


Zusammen mit drei Freunden tourte ich eine Woche kreuz und quer durch die Wälder der Lowlands und die Heide der Highlands. Über Glasgow und Fort William ging es hinauf nach Ullapool, zurück über Inverness, und die Krönung waren drei wunderschön sonnige Tage am Loch Tay in der Nähe von Pitlochry.
Es war Liebe auf den ersten Blick. Schottland gefiel mir, und meine Liebe zu Land und Leuten dauert bis heute an.
Das Land hat etwas Verwunschenes. Es gibt nur zwei Großstädte (Glasgow und Edinburgh); ansonsten ist das Land relativ dünn besiedelt, und man kann kilometerlange Spaziergänge machen, ohne jemandem zu begegnen. Dabei hat man ständig das Gefühl, hinter dem nächsten Findling könnte ein keltischer Druide auftauchen. Oder ein alter Highlander im Kilt, mit Breitschwert. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Die wilde, unberührte Landschaft und dazu die dramatischen Wetterwechsel schaffen eine beeindruckende Kulisse.

Solcherart eingestimmt saßen wir abends im Pub. Schottische und irische Pubs sind mit deutscher Kneipen-Gemütlichkeit nicht zu vergleichen. Der Pub ist das Wohnzimmer des ganzen Ortes; Treffpunkt, Nachrichtenbörse, ein Dorado für Geschichten-Erzähler und Musikanten. An der Wand hängt ein Regal mit den Trophäen des hiesigen Sportklubs, und auf dem Land ist der Pub meistens zugleich das Postamt und der Kaufladen.
Am zweiten oder dritten Abend (genau weiß ich das nicht mehr) fiel mein Blick wieder auf die große Flaschen-Batterie hinter der Theke. Namen, die ich noch nie gesehen oder gehört hatte und von denen ich noch nicht einmal ahnte, wie man sie richtig ausspricht. Zum Beispiel Edradour. Oder Bruichladdich. Ganz zu schweigen von Laphroaig. Jeder zweite Name fing mit »Glen« an. Glenfiddich kannte ich aus der Werbung. Getrunken hatte ich ihn noch nie. Die anderen Namen sagten mir nichts.
Ich beschloss, einmal einen zu probieren. Schließlich war ich im Urlaub, und ein Glas kostete ja nicht so viel wie eine ganze Flasche. Kevin, unser Bekannter aus Coventry und unser Reiseleiter, verzog das Gesicht, als ich Glenfiddich vorschlug, und empfahl mir statt dessen einen Bushmills.

Ausgerechnet Bushmills! Ich wusste es damals noch nicht, aber Bushmills ist einer der wenigen irischen Single Malts. Der Schotte hinter dem Tresen machte ein steinernes Gesicht, taute aber wieder etwas auf, als Kevin den Whiskey
1 für uns beide »in tasting glasses, without ice, and water separately, please« bestellte.
Ein »tasting glass« erinnert an einen kleinen Cognac-Schwenker, ist aber etwas schlanker und hat einen längeren Stiel.
Ich schnupperte erst mal an meinem Glas und war beeindruckt, wie intensiv der Bushmills duftete. Ich behandelte ihn wie einen alten Cognac: erst in der Hand anwärmen und schwenken
2, dann riechen, dann einen kleinen Schluck nehmen und im Mund herum gehen lassen, bevor man ihn schluckt.
Der erste Eindruck: riecht wie ein Obstbrand (Pfirsich? Aprikose?), schmeckt etwas scharf nach Alkohol, sehr fruchtig und leicht süßlich. Überhaupt nicht rauchig. Der zweite Eindruck: der Geschmack bleibt sehr lange im Mund. Er wird milder und harmonischer. Und ab dem zweiten Schluck entsteht eine ganze Palette von Aromen. Sehr ausgewogen, rund und blumig, die ganze Sache. Nicht schlecht!

Als nächstes probierten wir einen Glenmorangie.
Allmächtiger! Das schmeckte ja völlig anders! Waren das wirklich zwei Brände ähnlicher Machart? Sie erschienen mir total unterschiedlich. Der Glenmorangie hatte eine deutliche Rauchnote und war herber; nicht so floral wie der Bushmills.
Mir wurde bewusst, dass sich mir hier eine ganz neue Welt auftat; dass Whisky nicht gleich Whisky ist und dass es sich lohnen könnte, ein wenig mehr in die Materie einzudringen.

Nach Hause zurückgekehrt (mit je einer Flasche Bushmills und Glenmorangie aus dem Duty-Free-Shop), musste ich mein neues Hobby zunächst einige Jahre ruhen lassen. Single Malt Whiskies waren in Deutschland schwer zu bekommen und außerdem sehr teuer.
Aber die Schotten hatten mich auf ihren tollen Stoff angefixt, und die Erinnerung ließ mir keine Ruhe mehr.

1997 war es dann so weit. Ich hörte von einem Laden in Frankfurt, dem Highlands Scottish Shop, der Single Malt Whisky verkaufte und auch auf Bestellung jene Marken importierte, die gerade nicht vorrätig waren.
Ich fuhr hin und lernte Herrn Bauernfeind kennen, der mir nicht nur ein rundes Dutzend Flaschen Single Malt verkaufte, sondern sich auch die Zeit nahm, mir viele Geschichten über Schottland und die Whiskies zu erzählen. In seinem Laden verging die Zeit immer wie im Fluge. Und was der Mann erzählte, machte mir wieder richtig Lust auf eine neue Schottlandreise. Inzwischen verdiente ich auch genug Geld, um mir mein neues Hobby leisten zu können. Freunde und Bekannte interessierten sich ebenfalls für Single Malt, und so bestellte ich bei Herrn Bauernfeind für sie gleich einige Flaschen mit.
Ein Jahr später wurde dieser liebenswerte und hilfsbereite Mann bei einem Überfall in der Frankfurter U-Bahn getötet.
Slàinte, decent fellow! I miss you. May you share your dram now with the angels forever!

Teil 2: Was ist ein Single Malt?