Angefangen hat die ganze Sache mit meinem Farn.
Und dem Gummibaum natürlich. Aber als ich ideale Lichtverhältnisse hatte, waren die Möglichkeiten beträchtlich erweitert. Jede interessant aussehende Pflanze mußte her; vor allem Pflanzen, die kaum jemand hatte. Oder in dieser Form nicht halten konnte. Da ich keinen Garten habe, aber auch unsere einheimischen Gewächse sehr schätze, Rosen, Wein und mitteleuropäische Orchideen, habe ich die Terrasse in einen portablen Garten verwandelt. Ein Kübelgarten, sozusagen …
Edelrose, Hanfpalme, Zitrusgewächse, Farne, Orchideen, Passionsblumen, Gewürzpflanzen. Entgegen aller Skepsis. Auch vor Tomaten und Salat aus dem Balkonkasten bin ich nicht zurückgeschreckt. Die Ernten waren sehr gut. Aber der Aufwand hoch. Doch es ist mir die Sache wert.

Vor etlichen Jahren wollte ich dann geschenkte Samen der Eierfrucht hochziehen. Da wurde dann ein kleines, nie benutztes Zimmerhäuschen für Kakteen zweckentfremdet und in ein Anzuchthaus verwandelt. Es klappte schon am Anfang überraschend gut. Und Kakteen mag ich sowieso nicht so recht. Noch nicht … ?
Das war der Anfang eines Hobbies, das meinen Pflanzenbestand ausufern ließ. Ungeahnte Möglichkeiten taten sich auf. Der Balkon bekam Zuwachs an Pflanzenarten, welche sonst in Deutschland kaum erhältlich sind: Eukalypten etwa, wie der berühmte Blaugummibaum.
Tropische Früchte wurden ohne Rücksicht auf den zu erwartenden Geschmack ausgewählt; von den Orangen werden nur solche mit Kernen gekauft. Und die Samenlieferungen per Internet nahmen zu. Aber auch die Fehlschläge, ganz klar. Alles kann nicht gedeihen, wenn als Kulturraum nur ein einziges Zimmer und eine Terrasse zu Verfügung stehen.

So habe ich im Laufe der Zeit die Pflanzen meinem Kulturraum angepaßt: Freiland winterhart und tropischer Regenwald.
Die Orchideen sind unter meinen Lieblingen ein Sonderkapitel, in das ich viel Mühe investiert habe. Speziell für sie habe ich eine Wasseraufbereitungsanlage installiert.

Solange eine Pflanze wächst, ist es mir egal, in welche Richtung sie das tut; ob sie in die Höhe wächst oder sich am Regal entlang rankt. Aber dies gibt auch Hinweise auf die tatsächlichen Lichtverhältnisse sowie den Lichtbedarf der Pflanzen. Sie wachsen eben dorthin, wo es ihnen am besten gefällt.

Da ich keine regelrechte Fensterbank habe, wurden die Pflanzen zu einem einzigen Haufen zusammen geschoben. Es kamen immer mehr hinzu, also wurde immer dichter gestapelt. Die Luftfeuchte im Pflanzenbereich wurde immer stabiler, auf immer höherem Niveau. Weitere Möglichkeiten taten sich auf: empfindliche Exoten in der Zimmerkultur, ohne Vitrine. Als im Zentrum die relative Luftfeuchtigkeit auch im Sommer bei 60-70% gehalten werden konnte, wagte ich mich an die Nepenthes, die tropischen Kannenpflanzen. Die hier genannten Pflanzen sind nur eine Auswahl. Tatsächlich kultiviere ich einige Arten mehr, und manche Pflanzen konnte ich noch nicht genauer bestimmen.

Auch einige Großpflanzen und Zimmerbäume sind in meinem „Indoor-Spalier“ integriert (Monstera, Spatiphylllum wallisii, Ficus benjamini, Ficus benghalensis, Kokospalme, Dattelpalme).
Der Rest steht dazwischen, rankt daran entlang oder wächst gleich darauf fest (Vanilla planifolia, Bulbophyllum und andere Orchideen, außerdem Passiflora).

Links:
Büchsenfarn.


Rechts:
Microsorum sterii.

Farne: ohne sie ginge es nicht. Der Schwertfarn war meine erste Pflanze, der Uralte. Sie sind die Begleitpflanzen der Orchideen, und auch der passende Hintergrund für deren und der Passionsblumen exquisite Blüten. Außerdem sind sie meine speziellen Lieblinge, sie repräsentieren die üppige Feuchte der Wälder.
„Über uns spannten die Farne ihre üppigen Wedel, die schönsten Spitzen, welche die Natur webt“ (engl. Naturforscher, 19. JH, Reisebericht Tropenwald).
Hier kultivierte Farngattungen:
Nephrolepsis, Microsorum, Davallia, Asplenium, Pteris.
Außerdem ein paar Geweihfarne, Osmunda und einige (noch) unbekannte Jungpflanzen.
Das rechte Bild zeigt den
Microsorum sterii, einen wunderschönen, klein bleibenden Farn. Trotz seiner wie gelackt aussehenden Wedel ist er weder trockenheitstolerant noch lichtliebend, sondern wird kultiviert wie ein echter Regenwaldfarn: feucht und mäßig hell. Trockene Zimmerluft toleriert er so gut wie der Schwertfarn oder Geweihfarn, also mäßig gut. Im Unterschied zu Büchsenfarn und Nestfarn, welche eine relativen LF von unter 60% nicht durchhalten.

Passiflora incarnata.
Eine wunderbare Freilandart.

Passiflora caerulea.
Gedeiht innen wie außen.

Passiflora-Hybride.

Passiflora Sunburst.

Passiflora:
Die herrlichsten Blüten, stark wüchsig-wucherndes Kraut für das „Indoor-Spalier“ und die Terrasse. Leider sind sie anfällig für Schädlinge aller Art. Und vertragen Insektizide sehr schlecht. Vorteil: Sie ziehen Schädlinge derartig an, daß die Orchideen davon verschont bleiben. Passiflora vertragen auch mehr Stress, wachsen schnell nach, wenn der Befall eingedämmt wird und sie sich erholen können.

Passiflora kann man mit Orchideen nicht vergleichen, Farne mit Palmen auch nicht. Man kann sich aber nicht nur von Kartoffeln ernähren, und auch nicht nur von Vanille. Ab und zu darf es auch mal eine Maracuja oder Chilli sein!

Links:
T. ixioides.

Mitte:
T. butzii, eine wunderschöne grüne Tillandsie. Sie benötigt etwas mehr Wasser und weniger Licht als die grauen Tillandsien, wurzelt aber dennoch ohne Sphagnum-Unterlage auf dem Rebholz.

Rechts:
T. usneoides.

Atmosphärische Tillandsien:
Am Anfang war ich skeptisch, aber wegen ihres interessanten Aussehens nahm ich dennoch immer mal wieder eine graue Tillandsie mit, wenn ich eigentlich Orchideen kaufen wollte. Oft wird der Feuchtigkeitsbedarf der Tillandsien überschätzt, ich habe ihn auch unterschätzt. Einmal sprühen pro Woche ist für eine graue Tillandsie im Winter eben zu wenig, aber zweimal pro Tag ist für diese Pflanzen im Frühjahr zu viel. Hier ist Fingerspitzengefühl sehr wichtig. Als Anhaltspunkt für die benötigte Wassermenge kann dienen: Wenn sich die Tillandsie weich anfühlt (elastisch biegsame Blätter), war die Wassergabe zu hoch. Sie sollte sich beim darüberstreifen etwas rascheln. Falls sie dagegen richtig spröde ist, wird mehr Wasser benötigt. Bitte nur vorsichtig über ein Blatt mit dem Finger streifen. Der Pflanze tun solche Tests auf Dauer nicht gut. Meine atmosphärischen Tillandsien werden im Sommer alle 14 Tage mit einer Düngelösung von einer Leitfähigkeit von 400 µS/cm besprüht, im Winter alle 4-6 Wochen, bei fehlender Sonneneinstrahlung wird nicht gedüngt. Als Grundlage wird Wasser aus der Umkehrosmoseanlage mit einer Leitfähigkeit von ca. 20 µS/cm eingesetzt. Dieses wird mit Leitungswasser gemischt. Eingesprüht wird mit Wasser von einer Leitfähigkeit von ca. 100 µS/cm.
Mittlerweile besitze ich etwa 20 graue Tillandsien, u. a. T. caput-medusae, T. juncea, T. ixioides, sowie zwei Varietäten von Tillandsia usneoides (siehe dazu auch Kapitel
Epiphyten-Ast).

Im Moment besitze ich ca. 40 Orchideen, in der Hauptsache Arten und Hybriden der Gattungen Bulbophyllum, Brassia, Oncidium, Vanda, Rhenanthera, Pleurothallis und Angraecum – eigentlich alles, was im Bereich Warmhaus bis hin zu warm-temperierten Verhältnissen ohne Ruhephasen kultiviert werden kann und was darüber hinaus dicke vorhangartige Wurzeln bildet für das richtige Dschungel-Gefühl in der guten Stube. Wenn die Blüten dann noch richtig bizarr sind, ist es für mein ästhetisches Empfinden ideal.

Dactylorhiza-Hybride

Einheimische Orchideen:
Auch diese Pflanzen können im Topf auf der Terrasse kultiviert werden. Sie sind verhältnismäßig schwer erhältlich und recht teuer. Dazu sind sie in Topfkultur äußerst heikel. Erhältlich sind viele unserer mitteleuropäischen Orchideen in Spezialgärtnereien. Im Gegensatz zu den Passionsblumen sehen sie von weitem nicht sehr spektakulär aus. Sie sollten in Ruhe ganz aus der Nähe betrachtet werden. Meine mitteleuropäischen Orchideen sind alles Hybriden und eine Art der Gattung Dactylorhiza. Sie verlangen schattige Plätze. Von der Blüte einmal abgesehen sind es eher unscheinbar aussehende Pflanzen. Viele Leute bemerken meine Dactylorhiza nicht einmal wenn sie blühen. Für unsere Orchideen in der freien Natur ist das zweifellos ein Glück. Für mich aber auch, denn solche Pflanzen wecken leider Begehrlichkeiten. Das Abpflücken des Blütenstandes vertragen sie schlecht. Das Umsetzen vom Wald in einen Garten oder Topf überleben sie ebenfalls kaum. Überhaupt tolerieren sie Veränderungen wenig. Die in Gärtnereien gekauften Jungpflanzen sind etwas zäher.
Kauftipp: Kassenzettel, mit denen die Herkunft europäischer Orchideen belegt werden können, sollten unbedingt aufbewahrt werden. Diese Arten unterliegen strengen gesetzlichen Schutzbestimmungen.
Gedüngt werden solche Pflanzen äußerst vorsichtig. Am besten gar nicht. Lediglich zur Hauptwachstumszeit Anfang Mai sollte stark verdünnter Orchideendünger (Leitfähigkeit der Düngelösung 380-400 µS/cm) gegeben werden, falls das Wachstum stockt. Auf keinen Fall dürfen im Herbst die vertrockneten Reste der Orchidee entfernt werden. Dauernässe sollte vermieden werden, austrocknen dürfen sie aber auch nicht. Als Wasser sollte ausschließlich sauberes Regenwasser verwendet werden oder Wasser mit vergleichbar niedrigen Leitfähigkeitswerten.

Links:
Kokospalme, ca. 1 Jahr alt,
unter den Vandeenwurzeln.

Rechts:
Kokospalme, ca. 2 Jahre alt.
Höhe ca. 220 cm.

Tropische Nutzpflanzen: alles aus Samen. Sie bleiben von diversen Früchten sowieso übrig. Und manchmal geht es gut, zu gut:
Ananas etwa, der die zwei Meter Spannweite überschritten hat, ein hervorragender Strumpfkiller ist, aber einfach schön.
Mango, bei welcher schon der Keimling eine imposante Größe hat.
Kokos (Cocos nucifera), … ich schweige besser. Meine gelungenste Anzucht aus Samen. Diese Palme hat schon zwei Winter gut überstanden, ist aber sehr anspruchsvoll. In jeder Hinsicht. Eine prächtige Pflanze, aber es gibt da ein Problemchen…

Dattel (Phönix dactylifera), das Problem wird sich um ein paar Jahre verzögern. Sie wächst einfach langsam. Das ist recht so!

Links:
Eucalyptus globulus, ca. 1jährig (die höchste Pflanze im Bild).

Rechts:
Die Blätter von unten.

Eucalyptus globulus: Keimt gut, die Sämlinge sind sehr klein.
Am Anfang wachsen sie langsam und sind sehr empfindlich. Aber bei guten Bedingungen geht es dann schnell, und der „Blue Gum“ ist ja der zweithöchste Baum der Erde. Die Blattadern sind zinnoberrot. Ein Baum mit „Blutadern“, könnte man meinen.
Als Terrassenpflanze ist er genial; er duftet wunderbar. Aber er ist beileibe nicht so kältetolerant, wie oft behauptet wird.
Als Kübelpflanze ist er nicht ganz unproblematisch: Sein Wasserverbrauch ist extrem hoch, dazu ist er empfindlich gegen zu hohen Kalkgehalt des Wassers. Ein ca. 2,5 m hohes Exemplar benötigt im Sommer 5-8 l Wasser/Tag. Der Mineraliengehalt des Gießwassers sollte auf Dauer nicht über 5°dH (deutsche Härte) betragen. Gedüngt wird im Sommer alle 14 Tage mit handelsüblichem Flüssigvolldünger, aber nur in halber Konzentration wie auf der Packung angegeben. Die Wurzeln sind sehr empfindlich sowohl gegen mechanische als auch chemische Belastungen. Ab und zu tut eine Ladung Rhododendren-Erde oder vergleichbare, saure Substrate oder Torfersatzstoffe ihm recht gut.

Und der bunte Rest:
Nepenthes-Hybriden Tiefland, Nepenthes-Hybriden Hochland. Die reinen Arten von Kannenpflanzen aus Gegenden mit klimatisch extremen Bedingungen (Hochland, Meeresküste) kultiviere ich mit meinen eingeschränkten technischen Mitteln nicht; solche Pflanzen sind zu schade für Versuche dieser Art.

Bild links: Nepenthes alata-Hybride.